Geistliches Wort

Juli/August2020

 

Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.    

1. Könige 19,7

 

Wer hat Euch Wandervögeln / Die Wissenschaft geschenkt, / Dass Ihr auf Land und Meeren / Nie falsch die Flügel lenkt? / Dass ihr die alte Palme / Im Süden wieder wählt, / Dass ihr die alten Linden / Im Norden nicht verfehlt? – Der Legende nach gab das Gedicht der Jugendbewegung vor über 100 Jahren ihren Namen. Raus aus grauer Städte Mauern. Einfach in der Natur sein. Frei wie ein Wandervogel. 

Wandern ist auch heute wieder im Kommen. Wir müssen raus, uns bewegen. Vorwärts. Weiter. Woher kommt die Unruhe? Gewiss, der Lockdown hat seine Spuren hinterlassen, körperlich wie seelisch. Wir sind nicht fürs Zuhause-Sitzen geschaffen. Und doch – ich glaube, es ist womöglich noch etwas anderes, dass uns forttreibt. Das Lebensgefühl nämlich, gerade mit der ganzen Menschheit unterwegs, auf einer Wanderung zu sein. Verlässliche Strukturen im Welt- und Denkgefüge werden immer kleiner, liegen hinter uns. Vor uns – eine Wüste?

Der Prophet Elia ist auch aufgebrochen – und auch nicht freiwillig. Er lief um sein Leben, heißt es gar. Unter einem Ginsterstrauch in der Wüste macht er Rast, schläft ein. Zweimal weckt ihn ein Engel. Zweimal wird er direkt von Gott gestärkt. Wasser, Brot und ein einfühlsames Wort: Du hast einen weiten Weg vor dir. Vorher wusste er nicht, wohin er lief. Danach weiß er es plötzlich: Er muss zum Horeb, zum Gottesberg.  Dort wird er Gott begegnen, dort bekommt sein Leben wieder Klarheit und Struktur. Wenn man das Ziel weiß, läuft es sich leichter.

Erst nach seinem Aufbruch klärt sich, wohin es geht. Erst als Elia eine Pause macht, durchatmet, sich erholt, kann der Engel hinzutreten. Dann aber ist Gott da, stärkt und stützt, gibt Hoffnung und Ziel. Er weiß um den Weg, der vor uns liegt. Weit ist er. Aber verheißungsvoll.

Eine hoffnungsfrohe Sommerfrische wünscht Ihnen
Pastor Meyer-Hansen

               

 

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