Geistliches Wort

März | April2019

 

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.   (Mt. 28,20 - Monatsspruch April​)

Das Licht fehlt. Die leuchtend weißen Kleider, das strahlende Angesicht, die ihn umhüllende Wolke. Alles fehlt. Ausgerechnet bei dem Evangelisten Matthäus, der sonst von Strahlen und Leuchten (Mt. 17,2), von Beben und Zerbersten (Mt. 27,51) und von Blitz und Donner (Mt. 28,2f) zu berichten weiß. An Effekten mangelt es bei ihm eigentlich nicht. Der Abschied von seinen Jüngern vollzieht sich hier dagegen überraschend unprätentiös. Nüchtern. Geradezu friedlich. 

Es wird ein junger Morgen gewesen sein. Die Zeit der Gottesbegegnung ist biblisch immer morgens. Seine Jünger haben den Aufstieg auf den Berg hinter sich. Erschöpft setzen sie sich hin. Jesus tritt ein letztes Mal zu ihnen. In die Stille, in die Weite, in den himmlischen Frieden hinein spricht der auferstandene Jesus seine letzten Worte: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Was für ein Schlusswort! Jetzt ist das Ende seines Wirkens auf Erden endgültig gekommen. Aber er hinterlässt uns alles, was wir zum Leben brauchen: Die Gewissheit, dass wir nicht ohne ihn sein werden. 

Das ist paradox, widersprüchlich. Wenn er doch geht, wie kann er sagen, dass er bei uns ist?  Vielleicht ist es so zu verstehen: Ohne Himmelfahrt, ohne Verklärung, ja ohne Segensgeste ist hier einfach Schluss. Am Ende wird die Klarheit so auch für uns beim Lesen spürbar. Die nüchterne Beschreibung – vereindeutigt durch den Hinweis, dass gar einige Jünger im Angesicht des auferstandenen Jesus zweifeln (Mt. 28,17) – lässt uns zur Ruhe kommen, führt auch uns in den himmlischen Frieden hinein. Mindestens ein Leseerlebnis. Wenn nicht mehr.

Natürlich, die Paradoxie verweist auch auf etwas anderes. Auf die Dreieinigkeit Gottes nämlich, die kurz vorher ausdrücklich hervorgehoben wird (Mt. 28,19). Gehen, um zu bleiben, sich verbergen, um sich zu offenbaren, am Kreuz scheitern, um die Liebe zur Geltung zu bringen – das ist der Gott, der sich in Jesus bezeugt hat. Damit wir klar sehen und Hoffnung haben. Wir sind nicht ohne ihn. Heute und alle Tage.

Ein segensreiches Frühlingserwachen wünscht Ihnen
Ihr Pastor Meyer-Hansen