Geistliches Wort

Januar 2020

 

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!    Mk 9,24; Jahreslosung 2020

Genug gezweifelt. Es liegt doch alles klar zu Tage. Wissenschaftlich bewiesen. Fakten lügen nicht. Wir müssen uns nur an die Tatsachen halten. Dann wird es gut werden. Beweist es nicht unser technologischer Fortschritt, dass alles besser wird, wenn man nur bei der Sache bleibt? Alles lässt sich berechnen oder programmieren. Für alles lassen sich Erklärungen finden. Ok – die Weltformel, Materie, Antimaterie, Big Bang usw., das dauert noch etwas länger. Aber wir sind nah dran. Das Universum ist doch logisch aufgebaut. Wir müssen nur endlich auch so handeln!!

Ein Weltgefühl. So oder so ähnlich vorgetragen von einer ganzen Reihe vermeintlich rein wissenschaftlich argumentierender Menschen. Digital und analog. Angesichts der Komplexität der Welt kommt uns diese Botschaft beinahe erlösend vor. Klima, Frieden und Gerechtigkeit sind bedroht – also radikal einfach gegensteuern. Es ist doch eigentlich alles ganz logisch. Folget den Fakten, nicht einem Stern.

So verständlich dieser Wunsch ist, so –ja– gefährlich ist er auch. Allein seligmachende Wahrheiten waren schon immer verdächtig. Einfache Antworten nicht minder. Ein Problem bleibt die schlicht nicht mehr erfassbare und durchdringbare Menge an Fakten. Im 17. Jahrhundert hatte ein Universalgelehrte in etwa ein Wissen, das der heutigen Ausgabe einer New York Times entspricht. Damit kommt man heute nicht weit.

Mehr geht aber einfach bald nicht in den Kopf. So bleiben wir auf andere kluge Köpfe angewiesen. Wenn Experten etwas sagen, müssen wir es ihnen – glauben. Gerade in unserer Wissensgesellschaft wächst die Notwendigkeit, überhaupt anderen glauben, anderen vertrauen zu können. Wir müssen uns auf die Integrität und Wahrhaftigkeit anderer verlassen – anders können wir nicht leben.  Wem aber mit Fug und Recht Glauben zu schenken ist und wem nicht, ist mitunter schwierig auszuwittern.

Der Vater des kranken Kindes kennt die Faktenlage. Manche werden geheilt, manche nicht. Von Jesus, von anderen Wunderheilern. Mit seinem Wissen ist der Vater am Ende. Aber nicht mit seinem Latein. Und so wendet er sich an Jesus – und schenkt ihm Glauben. Er glaubt an ihn, ohne sein Wissen, seine Fragen zu verleugnen. Aber auch, ohne dieses Zweifeln als Hinderungsgrund zu sehen, nicht doch Jesus zu vertrauen. Er beurteilt sein Wissen richtig. Und findet einen Glauben, der trägt.

Ein wissens- und glaubensreiches neues Jahr wünscht Ihnen
Ihr Pastor Meyer-Hansen

               

 

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