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Geistliches Wort

November 2020

 

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. 

Jeremia 31,9

 

Paradise lost – Es gibt Bücher, die muss man nicht gelesen haben. Ihr Titel reicht, um zu ahnen, welches das Grundthema ist. John Milton begann sein Epos zu schreiben, als die Niederlage absehbar war. Die Sache der Liberalen in England war verloren, die Restauration würde gewinnen. Kein Weg zurück  in das Paradies der Freiheit. Es war alles vergeblich. Für immer: Paradise lost.

Das Vor-Corona-Paradies liegt uns derzeit auch in weiter Ferne. Wohl nicht ohne Grund ist ‚lost‘ das Jugendwort des Jahres 2020. So zumindest das Ergebnis einer Online-Abstim-mung des Pons-Verlages. „Verloren.“ Im Sinne von keinen Durchblick mehr haben, unsicher und unentschlossen sein. Nicht für immer verloren sein, nein, aber eben keinen Plan haben, hilflos irgendwie dazwischen hängen. Nicht nur ein Jugendgefühl. Auch ein Weltgefühl in unseren Tagen.

Vieles gelingt in unseren Tagen trotz der Pandemie, vieles ist möglich. Doch dass Lebensmöglichkeiten erheblich beschnitten sind, fällt immer wieder auf und ins Gewicht. Handschlag und herzliche Umarmung vermissen wir, unbeschwerte Besuche, unkompliziertes Reisen, aber auch gemeinsames Singen fehlen uns. All das, was das fehlende Licht im November ersetzt. Ein bisschen traurig kann man da schon sein, ein bisschen lost.

Wie gut ist es da, zu hören, dass es Einen gibt, der um uns weiß. Menschen weinen, das kann Gott nicht verhindern. Doch es hat bei ihm seinen Raum. Und es soll dabei nicht bleiben: Trost will er uns geben. Was aber, finde ich, besonders trifft: Gott will uns auch leiten. Aus unserem Gefühl des Verlorenseins herausführen. Dorthin bringen, wo das Leben Freude ist. Ins Paradies. Ins himmlische, gewiss. Aber auch in das vor Corona. Mitten in dieser Welt. Das bleibt sein Versprechen.

Bleiben Sie gesund und getröstet!

Pastor Meyer-Hansen