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Unsere Weigle/ Sebastian Orgel wird 50

Unsere Weigle/ Sebastian Orgel wird 50
Veröffentlicht von Axel Stein am Do., 21. Jan. 2021 21:35 Uhr
Musik

Als die Maria-Magdalenen-Kirche 1901 eingeweiht wurde, ist zunächst die kleine Orgel aus der Schlosskapelle in der Kirche aufgestellt worden. Erst 1914 wurde eine richtige Orgel auf die Empore gebaut. Orgelbauer war die Firma Marcussen aus Apenrade, heute Apenraa in Dänemark, die Firma gibt es heute immer noch. Am 23. November 1914 wurde diese Orgel eingeweiht, sie soll einen sehr schönen warmen Klang gehabt haben. Besonders gewürdigt wurde damals der mit vielen Holzschnitzereien versehene Orgelprospekt, das ist die Vorderseite der Orgel. Wie damals üblich, hatte die Orgel eine romantische Disposition, dass ist die Zusammenstellung der verschiedenen Klangfarben.

Nach dem 2. Weltkrieg hatte sich der Orgelgeschmack sehr verändert, jetzt wurden eher die barocken Klangfarben bevorzugt. So wurde 1948 die Orgel umgebaut und mit einigen Registern erweitert. Dieser Umbau war allerdings ganz schlecht gelungen. In der Folge wird immer von Störungen und Totalausfällen berichtet. Ich erinnere, als ich als kleiner Junge im Kindergottesdienst saß und der Pastor einmal sagte, dass die Orgel repariert worden sei. Und tatsächlich klang sie mal richtig schön.

1966 riet ein Gutachten zum Abriss oder zur Komplettsanierung, zunächst passierte aber nichts. Dann wurde 1969 die Kirche umgebaut, neue Fenster, neuer Altar, neue Beleuchtung u.v.a. . Da wurde die Orgel abgerissen. Orgelpfeifen lagen noch eine Weile in der Kirche herum. Der damalige Kirchenvorstand wollte zunächst keine neue Orgel, sondern das noch vorhandene Geld lieber für Projekte in der dritten Welt verwenden.  Nach langen Diskussionen wurde aber doch noch ein Orgelneubau beschlossen, es sollte allerdings nur eine kleine, einfache, hauptsächlich für liturgische Zwecke geeignete Orgel werden, zum Preis von 60.000 DM. Denn schon 1966 hatte der Kirchenvorstand, damals ja noch für ganz Alt-Reinbek zuständig, beschlossen, dass in der neu zu bauenden Nathan-Söderblom-Kirche eine Superkonzertorgel kommen sollte, was dann 1972 mit dem Bau der wunderbaren Ahrendorgel auch geschah.

Am 3. Advent 1971 wurde in Maria-Magdalenen die neue Orgel der Firma Weigle/ Stuttgart mit 18 Registern eingeweiht. Aus heutiger Sicht würde man sagen, dass die Orgel eine reine Fließbandarbeit war, mit einem völlig unpassenden Prospekt, der erste Entwurf hierzu soll auf einem Bierdeckel entstanden sein. Böse Zungen sagten damals, eine IKEA-Orgel, wegen der hellen Holzfarbe. Und heute würde man die alte Marcussen-Orgel niemals einfach abreißen, sondern überholen und wiederherstellen. Dann würde in unserer Kirche eine historische Denkmalsorgel stehen.

So steht nun also seit 50 Jahren in unserer Kirche die Weigle-Orgel. Da sich schon bald zeigte, dass die klanglichen Möglichkeiten dieser Orgel einfach zu beschränkt sind, wurde sie 1993 von der Geesthachter Orgelbaufirma Sebastian umgebaut und erweitert. Die alten Register wurden völlig neu intoniert, die Orgel bekam eine historische Stimmung und zusammen mit neuen Registern hatte sie dann endlich ein gutes, differenziertes Klangbild mit ganz vielen Möglichkeiten. Und eine neue Farbe erhielt sie auch noch, nun ist sie ein gutes, vielfältig zunutzendes Instrument. Dieser Umbau hat damals 160.000 DM gekostet und wurde fast komplett aus Spenden finanziert. Gerne hätte ich damals auch noch ein neues Gehäuse gehabt, was besser in den Kirchenraum gepasst hätte, das wäre dann aber doch zu aufwändig und zu teuer geworden.

Im Verlaufe dieses Jahres wollen wir das Orgeljubiläum mit etlichen Aktionen und Konzerten feiern. Das lässt sich realistisch erst dann planen, wenn die pandemiebedingten Beschränkungen soweit gelockert werden, dass sinnvolle Veranstaltungen durchgeführt werden können. Übrigens ist die Orgel 2021 das Instrument des Jahres. Das passt doch gut.

                                                                                                          Jörg Müller