November 2017 Maria-Magdalenen-Kirche

Monatsspruch November:
Gott spricht: Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.

Ez 37,27

Das Wohnen verändert sich. Groß und weit und licht und hell sollen die Wohnungen heute sein. Energiesparend und wärmetauschend. Dekoriert und einbruchssicher. Mit natürlichen Baustoffen und in günstiger Lage, sei es verkehrstechnisch, sei es milieubezogen. Es gab Zeiten, da ging es vor allem um Zwei-Zimmer, Küche, Bad, inkl. Telefon und Fernwärme. Und noch früher konnte man sich glücklich schätzen, wenn man immerhin eine Zimmertür hinter sich zu machen konnte. Überhaupt darf man wohl nicht übersehen, dass wir Menschen etliche Jahrtausende lang eher dicht beieinander wohnten. Ob da in unserer Zeit etwas verlorengegangen ist, im Zuge der Individualisierung und Privatisierung? Oder bedeutet es gerade ein Gewinn an Lebensqualität, zwar allein, aber beständig mit anderen via Smartphone oder Smart Home verbunden zu sein?
Unsere Wohnkultur ist im Wandel. Die Suche nach dem rechten Verhältnis von Nähe und Distanz, von Privat und Öffentlich, von Diskretion und too much information indes bleibt eine immerwährende gleiche Frage. Obgleich die Verheißung des Propheten Ezechiels natürlich darauf abhebt, die besondere Nähe, ja Untrennbarkeit Gottes von seinem Volk zu verheißen, so bedarf das Wort „Wohnen“ offenbar doch weiterer Klärung. Es meint ja weni- ger, eine genaue Anschrift zu haben, als vielmehr sich gewiss sein zu können, dass Gott immer erreichbar ist. Fußläufig. Kein Umsteigen nötig. Er wohnt sozusagen nur wenige Straßen weiter. Ob Souterrain oder Loft, sei dahin gestellt. Entscheidend ist: Er ist einer von uns, was seinen Wohnort angeht. Ein ausgezeichneter Ort.
Das Hoffnungsbild einer Wohnung, die Gott unter uns hat, eröffnet den Raum, Gott nicht nur nahe bei uns, sondern auch ganz konkret erreichbar zu denken. Würden wir ihn also besuchen? Wann wäre es passend, wann käme man nicht ungelegen? Hätte Gott gar auch eine Privatsphäre? Hohe Konkretion, hohe Bestimmtheit gelingt nur um den Preis der Abgrenzung. Determinatio est negatio, wussten die Logiker schon immer. Gerade das aber, sein höchstkonkretes Wohnen unter uns, hat uns Gott durch seinen Propheten Ezechiel verheißen. Wie kann das gemeint sein?
Eine Antwort gibt uns unser Glaube. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, spricht Jesus im Lukasevangelium (Lk 17,21). Als Getaufte können wir mit gutem Grund glauben, dass Gott schon jetzt begonnen hat, unter uns zu wohnen. Sei es in unseren Herzen, sei es in der Begegnung mit anderen Menschen, sei es im Gebet. Erreichbar und konkret wird Gott daher dort, wo wir uns vom Heiligen Geist erfüllt fühlen. Oder wo wir mit Menschen in Beziehungen kommen, die sich als heilsam, gedeihlich und lebensdienlich erweisen. Ja, es gibt die Berührung des Himmels und der Erden schon jetzt. Die Verheißung Ezechiels, sie hat sich für uns Christen in Christus erfüllt. Gute Chancen also, dass Gott sich hier erreichen lässt. Zu seiner Wohnung ist es jedenfalls nicht weit. Es bedarf nur ein bisschen Stille.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pastor Meyer-Hansen