November 2018
Maria-Magdalenen-Kirche


Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Offb 21,2


Am Tag aller Tage muss alles stimmen. Das Zeitmanagement, die Performance, der Glanz. Wenn die Braut die Kirche betritt, zieht etwas Himmel mit ein. Ob an ihrer Seite ihr Vater oder der Bräutigam schreitet, spielt es eine Rolle? Aller Augen warten auf sie, geschmückt und gekleidet, wie sie vermutlich nur einmal im Leben sein wird. Mehr Aufwand, mehr Gedanken, mehr Geld wird in kein anderes Fest investiert. Es ist für die allermeisten noch immer das Fest des Lebens schlechthin, wenn zwei Menschen sich das Ja-Wort geben. Und alle, alle kommen, fröhlich gestimmt und feierlich gekleidet.
Für Jesus war die Hochzeit ein Gleichnis für das Leben, wie Gott es sich gedacht hat. Ein Fest, zu dem alle eingeladen sind, auf dem jeder willkommen ist, an dem es Wort und Wein und Tanz in Fülle gibt. Keine Frage, dass auch die Gäste sich vorbereiten, der Feierlaune Ausdruck zu verleihen: durch festliche Kleidung (Mt. 22,11ff.), durch angemessenes Verhalten (Lk, 14,8ff.) und durch ausgelassene Stimmung (Mk 2,19f.). Gedanken- und achtloses Auftreten zeugt nicht von lässiger Freiheit, sondern von brutaler Lieblosigkeit. Und die war Jesus immer ein Dorn im Auge.
Der Schöpfer, der Leben schafft und erhält, der freut sich an dem Fest, das genau dieses zum Ziel hat. So wundert es nicht, dass dem Seher Johannes bei seiner Vision das Gleichnis kommt: Gottes himmlisches Jerusalem kommt herab bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. So glanzvoll, aber auch so würdevoll und so choreographisch exakt. Die wahrhaft neue Welt kommt anmutig daher; wohlgeordnet, wie man das griechische Wort für „geschmückt“ auch übersetzen kann. Gott wird alles schön machen.
Am Tag aller Tage, dann, wenn Gott sein Reich aufrichtet, wird mithin ein Fest des Lebens gefeiert. Ein Fest, das nicht im Chaos endet oder langsam ausschwingt. Sondern das für ewig weitergeht – in einer hergerichteten und herausgeputzten Stadt. Und der Gastgeber? Bescheiden unter ihnen: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! (Offb 21,3) Hier beginnt etwas nie zuvor Dagewesenes. Wie bei einer Hochzeit.

Mit diesem Hoffnungsbild in dunkler Jahreszeit grüßt Sie
Pastor Meyer-Hansen