Juni 2018
Maria-Magdalenen-Kirche


Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!

Hebr. 13,2


"Bitte bring Deinen Freund noch zur Tür", fordere ich meinen 4-jährigen Sohn auf. Gastfreundschaft will gelernt sein, auch das Verabschieden gehört dazu. Bei jemandem zu Gast zu sein, jemanden zu Gast zu haben, das ist ja ein ganz besonde-res gesellschaftliches Spiel. Das richtige Maß an Offenheit und Diskretion, an Herzlichkeit und Taktgefühl, an Nähe und Distanz gilt es zu finden. Sicher, bei vertrauten Freunden ist es etwas anderes als beim Abendessen mit der Chefin nebst Gatten. Doch auch in intimster Atmosphäre ist Gastfreundschaft ein Spiel mit Regeln. Niemand soll das eigene Haus mit Unbehagen verlassen, niemand will mit einem faden Beigeschmack Tschüss sagen müssen. Wir wollen uns gut beieinander fühlen. Und gut einander in Erinnerung behalten.
Das ist jedes Mal wieder ein Wagnis. Einen Gast willkommen zu heißen - und es spielt keine Rolle, ob vertraute oder fremde Menschen uns besuchen - ruft Stress hervor.
Kleidung, Wohnung, Kühlschrank werden einem geistigen Schnellscheck unterzogen, wenn es an der Tür klingelt. Gleichzeitig ist uns der angekündigte Gast eine Verheißung. Neue Perspektiven, Erkenntnisse, Moden kommen mit ihm, mit ihr ins Haus. Vielleicht gar auch ein Stück - Seligkeit?
Nichts weniger als das ist uns ver-heißen. Ohne es zu ahnen, haben einige von uns Engel beherbergt. Engel, die immer Himmel mitbrin-gen auf die Erde. Es kann gar nicht anders sein. Gut möglich also, dass uns da doch drei Gestalten besuch-ten wie bei Abraham und Sara an den Eichen zu Mamre (vgl. 1. Mo-se 18). Aber genauso glaubhaft ist es, dass sich eben in dem Spiel der Gastfreundschaft selbst einfach das schöpfungsgemäße Wesen des Menschen zeigt. Er ist ja auch nicht mehr als ein Gast auf einem schönen Stern. Ob nun auf natürli-che oder übernatürliche Weise: himmlisch kann es in jedem Fall werden. Dort, wo es klingelt und die Tür geöffnet wird. Vergesst die Gastfreundschaft nicht.



Einen sonnen- und segensreichen Frühsommer wünscht Ihnen
Pastor Meyer-Hansen