September 2018
Maria-Magdalenen-Kirche


Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewig-keit in des Menschen Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht er-gründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Prediger 3,11


Der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen. Wer nicht von der Hitze erdrückt wird, dem ist auch der Spätsommer eine Freude. Schau an der schönen Gärten Zier, singen wir kräftig und laut. Noch einmal sattes Grün genießen, bevor der Herbst kommt. Gott hat alles schön ge-macht zu seiner Zeit. An der Schönheit der Natur können wir Gottes Fingerabdruck sehen, seine Spur aufnehmen. Auch können wir in uns fühlen, wie sehr wir ein Teil der Welt sind, wie sehr wir mit allem verwoben sind, was da kreucht und fleucht. Wir sind Leben in mitten von Leben, das Leben will (A. Schweitzer). Einerseits.
Andererseits können wir uns zu allem in Distanz setzen. Selbst zu uns selbst. Dann bemerken wir unsere eigene Nichtigkeit. War ich das wirklich? War es wirklich so wichtig? War alles nur ein Haschen nach Wind? Aus dem Gefühl des Es-hätte-auch-ganz-anders-sein-können erwächst in uns Sinn und Geschmack fürs Unendliche. Es muss doch mehr als alles geben, etwas, das in aller Vergänglichkeit bleibt. Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in des Menschen Herz gelegt.
Außen und innen lauter Spuren Gottes. Und dennoch bleibt unsere Einsicht klein. Wir erkennen Gott hier nur stückweise, enigmatisch, wie der Apostel Paulus weiß (1. Kor 13,12). Es ist schon ein Kreuz mit unserem Gott: Er offenbart sich uns - und bleibt zugleich unverfügbar. Letzteres soll dem Soziologen Hartmut Rosa zufolge die Eigenheit der drei abrahamitischen Religionen sein, also das Gemeinsame von Judentum, Christentum und Islam: an die Unverfügbarkeit Gottes zu erinnern. Ihn nicht irgendwie handhaben zu können. Ihn nicht ergründen zu können. Gut möglich, dass er recht hat.
Gut möglich aber auch, dass er doch viel greifbarer ist, als wir manchmal denken. Was Gott in Christus getan hat, hat er uns jedenfalls nicht verborgen. Die Schuld ist vergeben, wir sind versöhnt mit Gott. Das Kreuz Christi durchkreuzt unsere Gottesvorstellungen, und ist doch der Fluchtpunkt unseres Trostes. Unverfügbar, und dennoch nicht unpersönlich. Insofern kennen wir vielleicht nicht Anfang und Ende - aber in wem beides liegt.



Es grüßt Sie herzlich
Pastor Meyer-Hansen