Januar 2018 Maria-Magdalenen-Kirche

Monatsspruch:
Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.

5. Mose,14 (Einheitsübersetzung)


Sechs Tage sind der Arbeit, der siebte der Ruhe gewidmet. Oder – wie es in dem nach wie vor gültigen Paragraphen der Weimarer Reichsverfassung von 1919 heißt – „der seelischen Erhebung“. Jeden siebten Tag Müßiggang treiben, eine kreative Pause einlegen, nichts tun dürfen, das tut uns Menschen gut. Andere Einteilungen wie die 10-Tage-Woche in der Französischen Revolution scheiterten kläglich. Wie weise und menschenfreundlich doch unser Gott war, als er den Siebten Tag zum Ruhetag erklärte. Er kennt seine Geschöpfe schon ziemlich gut.
Ebenso göttlich erscheint mir: Es sind auch wirklich alle gemeint. Arbeitsruhe ist nicht etwas für die gut Betuchten, gar die Gutsherren und Fabrikanten. Sie gilt allen, ja, den damals leider auch in Israel üblichen Sklaven wie auch denen, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Darüber hinaus sogar den Nutztieren. Offenbar ist die Arbeitsruhe am Siebten Tag vollumfänglich gedacht. Wie sollte es auch anders sein: Etwas zu tun gibt es immer, und oft auch solches, dass sich dringend und wichtig zugleich ausnimmt. Sich von diesem Druck zu dispensieren, zu befreien gelingt nur, wenn es alle tun.
Kleinbäuerliche Nutztierwirtschaft und Sklavenhaltertum sind in unseren Breiten Gottseidank passé. Aber lassen wir nicht anderes stattdessen für uns arbeiten? Warum am Ruhetag nicht einmal darauf verzichten, online zu sein? Ich gehöre jedenfalls noch zu denen, die es stresst, wenn ich ein Gerät einschalte und Strom fließt. E- Paper oder E-Books sind für mich deshalb nicht erste Wahl, obgleich ich sie dennoch nutze. Auch am Sonntag. Noch.
Doch natürlich gilt Jesu Souveränität über den Ruhetag weiterhin auch uns: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen (Mk 2,27). Deshalb können wir mit Paulus gewisslich darauf vertrauen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Röm 8,28). Darin liegt die Freiheit, die uns das Evangelium schenkt.


Einen guten Start ins Neue Jahr wünscht Ihnen
Pastor Meyer-Hansen