September 2017 Maria-Magdalenen-Kirche

Monatsspruch September:
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

Jesaja 42,3

Höflichkeit, Rücksichtnahme, Sanftmütigkeit sind ja in unseren Tagen etwas in Verruf geraten. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn manch politische Rüpelei als normal verkauft wird und der Kampf gegen die political correctness salonfähig zu werden scheint. Oder wenn man sich in entsprechenden Internetforen bewegt, wo manch einer seine gute Kinderstube zu vergessen scheint. Wird der Ton in unserer Gesellschaft insgesamt rauer? Ob dem so ist oder ob dies nur ein bald vorübergehender Rollback als Antwort auf die unterschwellige, „grüne“ Leitkultur ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch wie Gott sich unser Zusammenleben wünscht, kann man am Wochenspruch durchaus erkennen.
Niemand kommt ohne Knick und Glimmen durchs Leben. Wofür man sich mal gerade gemacht hat, wofür man mal gebrannt hat, es geht nicht ohne Rückschläge an einem vorüber. Und manche Scharte lässt sich nicht mehr ausmerzen, manche Wendung muss man hinnehmen. Ein geknicktes Schilfrohr wird nicht mehr gerade und ein glimmender Docht wird nicht mehr eine volle Flamme tragen. Und doch ist man in den Augen Gottes wunderbar. Der Gottesknecht, von dem der Prophet Jesaja spricht, nach unserem Glauben Jesus Christus, er wird nichts zerbrechen und nichts auslöschen, was nach der Logik der Welt übersehen und marginalisiert wird. Im Gegenteil, er sieht das geknickte Rohr, den glimmenden Docht, geht sanftmütig mit ihnen um, zeigt Respekt vor dem Gewordenen. In der Botschaft, im Handeln, im Leben und Sterben Jesu begegnet uns der sanftmütige Gottesknecht. Er hat ein menschenfreundliches Wesen.
„Sanftmütigkeit ist sein Gefährt.“ Es dauert noch ein paar Monate, bis wir es wieder singen werden. Doch dass unser Herr und Gott uns mit solcher Sanftmut entgegenkommt, ist uns seit Jesajas Zeiten verheißen. Das berührt, stärkt, ermutigt uns – und es orientiert in einer sich munter drehenden und verdrehenden Welt. Selig die Sanftmütigen!
Pastor Meyer-Hansen